Montag, 3. September 2012

ContessaTatsächlich 2


240812 Morgenseiten
… und wie sie sich als höheres Wesen fühlt und wie sie dann das ganze Hintenrum und das Gelüge braucht, um sich damit durchzusetzen.

180812 Notizbuch
Das Verhängnis ist nicht diese oder eine andere Frau. Es ist die Liebe von Frauen. Wie sie lieben. Was sie sich unter Liebe vorstellen. Was sie für Geschäfte mit der Liebe machen.

19.08.12 Notizbuch
Das Wunder der Liebe ereignet sich für mich, als mir klar wird, was sie alles mitgekriegt hat von mir, wenn sie in meinen Rechner eingehackt ist, und sie ist in meinen Rechner eingehackt, daran gibt es gar keinen Zweifel und trotzdem ist immer noch da und will mich kennenlernen. Das ist das Wunder der Liebe und bald schon werden wir es zusammen erleben, habe ich geglaubt. Aber dazu ist es nicht gekommen. Es ist uns nie gelungen, uns kennenzulernen. Weil sie zu gut weiß, dass es keine Wunder gibt.

140712 Datei ContessaTatsächlich
Mit mir hatte sie kein Glück. Mit mir hat sie sich verzockt und gezockt hat sie. Sie hat einen Mann gesehen, von dem sie geglaubt hat, er könnte sie sich leisten. Falsch, ich kann mir nicht einmal mein eigenes Leben leisten und eine Frau, die ich kennengelernt habe, auch nur zu einem Kaffee einzuladen, ist nicht drin. Deshalb bin ich jedes Mal in Panik geraten, wenn ich daran dachte, dass die Frau, die ich seit Monaten beim Schwimmen beobachtete und die mich beobachtete, wie ich sie beobachtete, etwas von mir wollen könnte. Mehr als das Wechseln eines Hundert- Euro-Scheins. Das hatte sie mich im Januar an einem frühen Morgen mit schriller Stimme gefragt, als ich ins Hallenbad kam. Können Sie einen Hundert-Euro-Schein wechseln? – Ich kann nicht einmal meine Zehnerkarte finden, habe ich verschlafen geantwortet und mich dann besonnen und ihr angeboten, ihr die drei Euro für den Eintritt zu geben, wenn die dumme fette Frau an der Kasse nicht bereit ist, ihr den Schein zu wechseln, der für 6 Uhr 30 in einem Berliner Hallenbad allerdings wirklich sehr groß ist. - Haha! sagte sie auf  mein Angebot höhnisch, als wäre das der älteste Trick in der Welt alter Säcke wie mir, mit denen wir junge Frauen von uns abhängig machen und das nächste ist, dass wir sie unter Drogen setzen, verschleppen, und so wie wir das in unseren fiesesten Masturbationsphantasien unzählige Male durchgespielt haben, mit Handschellen ans Bett fesseln und wenn wir genug von ihnen haben, sie an einen internationalen Menschenhändlerring verscherbeln und das alles mit drei Euro. Nachdem sie schon so empört auf den ersten Teil meines Angebots reagiert hatte, schlug ich ihr lieber nicht vor, dass sie mir das Geld in den nächsten Tagen zurückzahlen könnte, zum Beispiel indem sie es bei der unfreundlichen Kassiererin hinterlegte. Stattdessen sagte ich, dass es um die Ecke eine rund um die Uhr geöffnete Sportsbar gibt. Und da müssen sie ihr den Schein gewechselt haben, denn nach dem Schwimmen, etwas mehr als eine Stunde später sah ich sie aus der Damenumkleide kommen mit nassen Haaren und ihre Stiefel in der Hand. Barfußzone in den Umkleiden. Als ich meine Schuhe anzog auf einer Bank sitzend in der Eingangshalle des Bades, saß sie auf der anderen Seite und zog ihre Stiefel an. Es ergab sich, dass sie kurz vor mir das Gebäude verließ und den gleichen Weg hatte wie ich, rechts um das Gebäude herum und dann über den Parkplatz in Richtung Straße. Sie ging vor mir. In ihrem Empfinden oder in ihrer Vorstellung von Verhaltensmustern alter Säcke wie mir muss es aber so gewesen sein, dass ich ihr folgte, und da es vom Folgen zum Verfolgen, wie wir alle wissen, nur ein Schritt zuviel ist, fing sie an zu hasten und schaffte es gerade noch rechtzeitig, ihren alten VW Golf zu erreichen, den sie gleich neben der Einfahrt zum Parkplatz abgestellt hatte, und die Tür aufzuschließen und einzusteigen, bevor ich nah genug herangekommen war, um sie anzusprechen. Denn dass ich sie an dieser von Passanten gut einsehbaren Stelle zu Boden werfen würde, um sie zu schänden, damit musste nicht einmal sie gerechnet haben, obwohl sie anscheinend nicht zum ersten Mal den Nachstellungen eines alten Sacks wie mir ausgesetzt war und deshalb unendlich erleichtert gewesen sein muss, als sie völlig außer Atem den Schlüssel ins Zündschloss ihres alten VW Golfs steckte, während ich vorbei ging und Mühe hatte, mich nicht gedemütigt zu fühlen von dem, was sie gerade vor mir abgezogen hatte. Als ich an der Sportsbar vorbei kam, die ich ihr zum Geldwechseln empfohlen hatte, gelang es mir trotz allem zu lachen. Aber ich hätte lieber nicht gelacht. Ich hätte lieber nicht erlebt, was ich eben erlebt hatte. Ich war auch so schon voller Verachtung für die Frauen, die mir begegneten. Frauen sind langweilig, banal und berechnend, hatte ich einmal gedacht und dann immer wieder, bis es zu meiner Überzeugung geworden war, von der ich nicht mehr loskam, und da wusste ich, dass ich verloren hatte, denn natürlich sind Frauen langweilig, banal und berechnend, aber sie sind es auch nicht. Weshalb der Satz intellektuell eine Bankrotterklärung ist und, schlimmer noch als das, zeigte er mir, dass ich verschissen hatte in meinem Leben, weil ich von nun an nur noch Frauen treffen würde, auf die dieser Satz zutrifft, und von den anderen sollte ich nicht einmal träumen, weil ich mich damit nur noch unglücklicher machen würde.

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